23. Februar sendet Botschaft des Friedens

- 24.02.2026 - 

Städtischer Gedenktag zwischen Erinnern und Mahnen

Einander die Hand reichen, Menschlichkeit zeigen, gemeinsam für Frieden und Freiheit einstehen – mit dieser Botschaft hat Pforzheim auch in diesem Jahr am 23. Februar der Zerstörung der Stadt und der Opfer von Krieg und Gewalt gedacht.

Das vielseitige Programm des Gedenktags spannte einen Bogen über die ganze Stadt und sprach Menschen jeden Alters an.
Am Vormittag gestalteten rund 200 Kinder aus zehn Kindertagesstätten in der Schloßkirche eine lebendige Friedensandacht mit Pfarrerin Olga Roth. Unter Anleitung von Sabrina Keller und musikalischer Begleitung durch Wolfgang Bürck sangen sie Lieder für eine friedliche Welt und entzündeten zum Abschluss viele kleine „Friedenslichter“.
In der Markuskirche brachte der „Love & Peace Poetry Slam“ Schüler*innen des Kepler-Gymnasiums auf die Bühne. In eindrucksvollen Texten setzten sie sich mit Zusammenhalt, Frieden und dem Wert des Miteinanders auseinander. Das seit 2019 bestehende Format wird von Diakon Oliver Würslin, Spoken-Word-Künstler Micha Kunze und dem Fachbereich Deutsch des Kepler-Gymnasiums getragen.
Beim Gedenken auf dem Hauptfriedhof erinnerten die Redner*innen an die Opfer und Schrecken des Zweiten Weltkriegs und an das Leid heutiger Krisenherde – etwa in der Ukraine, im Iran oder im Sudan. Dekanin Christiane Quincke betonte die Verbundenheit mit Menschen, die heute auf der Suche nach Frieden und Sicherheit auch in Pforzheim Zuflucht suchen. Sie erinnerte an den Zusammenhalt der Pforzheimer*innen, den es nach 1945 brauchte, um die Stadt wieder aufzubauen – in der Hoffnung auf eine Zukunft in Frieden und Freiheit. „Wir sind mit allen verbunden, die den Trümmern entfliehen oder nur noch Entsetzen verspüren angesichts von Willkür und Hass“, sagte Quincke. „Sie kommen in unsere Stadt und suchen hier eine neue Heimat und ein sicheres Dach über dem Kopf. Und wir in Pforzheim wissen, was es bedeutet, wenn es kein Dach mehr gibt.“ Aus dem Entsetzen der Kriegsjahre sei ein Versprechen gewachsen: „Nie wieder Menschen einteilen in würdig und unwürdig. Nie wieder die Welt mit Hass überziehen.“ Und weiter: „Die Zuversicht ist manchmal nur eine kleine Flamme, die wir beschützen müssen. Wie haben sie es damals geschafft – vor 81 Jahren? Nur gemeinsam. Es liegt an uns, ob wir diese Stadt so leben, ob wir anknüpfen an die Erfahrung, dass es nur gemeinsam geht.“
Auch Kunst und Musik setzten Zeichen: In der Schloßkirche zeigten Chaerin Gwark und Willer Rocha vom Tanz Theater Pforzheim ein eindrucksvolles Duett als Bekenntnis zu Frieden und Menschlichkeit. Danach wurde das Publikum selbst aktiv – unter Leitung von Melchior Kilian erklangen gemeinsam Friedenslieder wie „Sag mir wo die Blumen sind“ oder „Meine Söhne geb‘ ich nicht“. Pfarrerin Heike Reisner-Baral erinnerte daran, Demokratie, Freiheit und Rechtsstaatlichkeit zu bewahren und gegen Hass und Ausgrenzung aufzustehen.
Am Abend machten sich zahlreiche Pforzheimer*innen von verschiedenen Orten der Stadt mit Kerzen auf den Weg zum Lichtermeer auf dem Marktplatz. Auch die Gruppe um Pfarrerin Martina Walter bildete einen „Lichterweg“ von der Altstadtkirche in die Innenstadt. Beim gemeinsamen Abendgedenken verlasen Mitglieder des Internationalen Beirats Pforzheim die Erklärung zum 23. Februar, bevor Oberbürgermeister Peter Boch die Verantwortung der Stadt betonte, sich für eine menschenwürdige, demokratische und friedliche Gesellschaft einzusetzen. Das 22-minütige Glockengeläut erinnerte eindringlich an die Dauer des Bombenangriffs im Jahr 1945.
Anschließend beteten Mitglieder des Rates der Religionen mit allen Anwesenden gemeinsam für den Frieden. In eindringlichen Worten wurde erinnert, wohin menschenverachtende Politik und Hass geführt haben. Zugleich wurde an diejenigen erinnert, die nach 1945 halfen, die Stadt wieder aufzubauen, und an Menschen, die heute in Pforzheim Schutz vor Krieg und Verfolgung finden. Die Redner*innen mahnten, Spaltung, Ausgrenzung und Misstrauen keinen Raum zu lassen.
Unsere Demokratie lebt von unserer Verantwortung, so der Tenor des Abends. Es liegt an uns, ob Pforzheim ein Ort des Respekts, der Vielfalt und des friedlichen Miteinanders bleibt. Der 23. Februar bleibe Mahnung und Auftrag zugleich: Frieden, Freiheit und Zusammenhalt sind keine Selbstverständlichkeit – sie leben davon, dass Menschen Verantwortung übernehmen. „Es liegt an uns wie wir miteinander leben. Ob wir trennen, oder verbinden. Ob wir schweigen, oder Haltung zeigen. Möge Gott uns ein klares Herz und einen festen Geist geben. Möge Gott uns stärken, wenn es daran geht für Würde und Gerechtigkeit einzustehen und einander mit Respekt zu begegnen.“