Gedenken 23. Februar
- 25.02.2019 -
PoetrySlam- Andachten - offene Kirchen - Gedenken auf dem Hauptfriedhof - Musik - Demonstration - Lichtermeer auf dem Marktplatz - PoetrySlam Special: Preacher vs. Poets: ein paar kleine Eindrücke vom Wochenende:
Auf dem Hauptfriedhof dieses Jahr eine besondere Geste: Eine Rose für jedes Grab, abgelegt durch die Besucherinnen und Besucher begleitet von der Bläsergruppe des Musikzuges der Feuerwehr Pforzheim.
Oberbürgermeister Peter Boch eröffnete die Gedenkfeier mit dem Ablegen der ersten Rose und einer Ansprache.
Georg Lichtenberger nimmt das Motiv der Rose in seiner Ansprache auf, mit einem Gedicht von Hilde Domin: "nur eine Rose als Stütze".
Kranzniederlegungen auch in diesem Jahr: Stadt Pforzheim - Stadt Gernika - Les amis de Pforzheim / La Bresse - Europa- Union - Deutsch - Ungarische Gesellschaft - Feuerwehr - Polizei - Deutsches Rotes Kreuz und ein letzter Gruß von John Wynne.
Roland Ganninger übergibt das Wandernagelkreuz an die Evangelisch-Katholische Medienstelle Pforzheim.
Entgegengenommen von Schuldekanin Katharina Vetter und Gemeindediakon Oliver Würslin. Sie werden es gemeinsam mit Schuldekan Georg Hauser im nächsten Jahr bei Projekten an Schulen mitnehmen. Es kann in der Medienstelle für die Arbeit mit Schulklassen auch ausgeliehen werden.
Neben stillen Gedenken gab es auch lauten Protest: für viele Pforzheimerinnen und Pforzheimer ist es unerträglich, dass es auch heute in unserer Gesellschaft rechte Gruppierungen Angst vor Fremden, Ausgrenzung und Hass schüren.
Hans Mann von der Initiative Stolpersteine berichtet über den Lebensweg von Fritz (Schlomo ) Reutlinger – geboren 1925 in Pforzheim.
Erinnern an die Opfer von damals: am 23. Februar und während der gesamten Herrschaft der Nationalsozialisten: erinnern und mahnen: Nie wieder!
Erinnern an die Opfer von damals: am 23. Februar und während der gesamten Herrschaft der Nationalsozialisten: erinnern und mahnen: Nie wieder!
Schlosskirche, Altstadtkirche und die hell erleuchtete Markuskirche standen offen zum Gebet. In der Liebfrauenkirche und St. Elisabeth wurden Friedensandachten gefeiert.
Musik auf dem Friedensweg: Jugendkantorei und Evelin Grizfeld in der Schloßkirche
Auf dem Marktplatz ein Zeichen für Demokratie, Vielfalt und Toleranz.
Oberbürgermeister Peter Boch rief zum Gedenken „aller Opfer von Krieg, Gewalt, Verfolgung und Unterdrückung auf der ganzen Welt“ auf.
Das flackernde Licht des Friedens während der 20 Minuten Schweigen bei Glockengeläut: 20 Minuten in denen vor 74 Jahren Bomben in Pforzheim fielen.
Zum Abschluss Segensworte - von Vertretern unterschiedlicher Glaubensgemeinschaften in Pforzheim.
Am Sonntag Peace and Love Special: Poets vs. Preachers: ein wortgewaltiger Wettstreit für den Frieden
Poetry Slam gibt es in Pforzheim seit vielen Jahren im Kupferdächle. Preacher Slam (Predigt Slam) gab es am Sonntag zum ersten Mal.
Moderatorin Johanna Klee erklärt die Regeln für dieses besondere Veranstaltungsformat: "Poets" und "Preachers" müssen eigene Texte vortragen - Zitate sind erlaubt, müssen aber gekennzeichnet sein. Keine Requisiten, keine Verkleidung. Vortragslänge 5-7 Minuten. Im Publikum wurden 10x Wertungskärtchen verteilt: jeweils Punktkarten von 1 (Mitleidspunkt) bis 6 (Maximalpunktzahl).
Wer zuerst auf die Bühne muss hätte einen Nachteil, weil das Publikum noch nicht in Stimmung ist. Deshalb startet ein Slam mit einem "Opferlamm" (schon die erste Paralelle Poetry-Slam Kirche: Lehnwort der Slammer-Szene aus dem kirchlichen Kontext), auch "feature poet" genannt: eine Person, die ihren Text vorträgt, außerhalb der Wertung.
Feature Poet am Sonntag: Christiane Quincke mit ihrem "Brief an den Frieden"
Alle Texte leben vom Vortrag, die Texte sind Gesamtkunstwerke und lassen sich nicht zusammenfassen - deshalb zu jedem einzelnen Beitrag hier nur lose Wortfetzten - Gedankensplitter:
Brief an den Frieden: Gestern hab ich dich gesehen - auf dem Marktplatz. Es geht dir nicht gut, weil immer noch Bomben fallen // Ich vermisse dich // ich sorge mich um dich // bitte verkriech dich nicht, krieche lieber in unser Herz hinein // gestern warst du da, heute hier und morgen? Ich halte Ausschau nach dir
Yvonne Leonie mit ihrem Text Friede im Herzen
Friede zu haben ist für uns so selbstverständlich - ist es aber nicht // mit allen Ecken und Kanten die man hat in Frieden leben //Friede damit zu finden so zu sein wie man ist
Sebastian Wolfrum Ich leg mich auf die Lauer // schreckhaft ist der Friede // wie ein goldener Schnatz ist er, schwer zu erhaschen // ich rieche Friedensduft // Pfannkuchen schmeckt nach Frieden
ob das hier wohl als unerlaubte Verkleidung gilt, wenn im Text Schnürsenkel mit Leopardenmuster vorkommt?
Hank M. Flemmings Text steigt ein mit dem röhrenden Hirsch und der kühlen Seitenscheibe am Morgen - die meisten sind sich einig, dass Friede besser ist als Krieg // die Leere kommt ans Tageslicht // sie glauben nicht an Wissenschaft, wären die Folgen nicht fatal, wäre es himmelschreiend komisch // stilles Mädchen // überlass das Mikro nicht den Selbstdarstellern //
reiß die Klappe auf // wie der Hirsch, der am Straßenrand immer noch am Röhren ist.
Heike Springhart versetzt das Publikum gedanklich an den Strand von Borkum: Leuchtfeuer // alle paar Sekunden Klarheit, dann versinkt alles wieder in Dunkelheit // manche Worte leuchen // es gibt Worte, die hektisch blinken // Strohfeuer // Whatsapphäkchensucht // Erhörstatus für Gebete? // am Ende lässt Gott den Frieden leuchten
Vom Borkumer Strand direkt in die Kneipe: dahin nimmt Ramon Schmid die Zuhörer mit
siffige Kneipe // falte Boote aus Servietten // wie viel Mann muss man haben, um mich im Suff noch nach Hause zu tragen // Ein Seemann, ein echter Seemann // mein Sturm ist die Böe die kurze Böe, die entsteht, wenn jemand aus der Kneipentür geht // wie viele sind unterwegs // wie viele kommen an
Franz Schön aus Coburg geht durch Pforzheim:
zeig dich mir Pforzheim du Schöne // du schmuckmachende, um andere zu schmücken // schließ die Augen nicht // wie kann Friede sein, wenn Städte zerstört werden, wenn das Mittelmeer zum Massengrab wird // Worte aus dem Wörterbuch des Bösen genommen // lass mich deine Tränen sehen // wir stellen eine Bank in den Park und bitten den Frieden zu bleiben
Ana Lioba nimmt uns mit, mitten in eine Alltagssituation // Frau in der Bahn // Sie sieht aus wie... // Frau in der Bahn // Sie sieht aus wie... // die Frau - lächelt // 2 Sekunden Klarheit // 2 Sekunden Gewissheit // dass Menschen Menschen sind
Für Torsten Resack gibt es viele Dinge, die er nicht leiden kann: Ich kann es nicht leiden // dass Harry Potter schon nach 7 Bänden aufhört // dass der FC Bayern nicht auf meine Emails hört //ich steh an einem Tag an der Israelisch-libanesischen Grenze und schau hinüber // am nächsten Tag darf ich nicht hinübergehen // der Grenzübertritt ein Traum // ein Albtraum // Grenzen: für viele ein Traum: von Migranten gereinigte Sozialräume // Was würde Jesus sagen? // Abendländisches Herz // Seligpreisungen heute wie AfD sie formulieren könnte// Selig sind, die von der Lügenpresse diffamiert wurden, auf sie wartet das Ende der Demokratie // wenn Jesus so wäre, wäre es das, was ich am wenigsten leiden kann. Ich bin froh, dass er anders ist.
Das Finale wird zwischen Hank Flemming und Torsten Resack ausgetragen. Nach Publikumsapplaus gewinnt Hank Flemming.
Dank an Esther Philipps und Dank von Esther Philipps, an alle, die an diesem Abend beteiligt waren: Oliver Würslin, der mit ihr gemeinsam die Veranstaltungen am Wochenende organisiert hat, Lino Wirag: Kooperationspartner Pforzheimer Poetry Slam, Evang. Erwachsenenbildung Pforzheim: finanzielle Unterstützung, Simon Berger: Licht und Ton
Dank an Moderatorin Johanna Klee und alle Poets und Preachers
































