Stadtsynode erteilt Baufreigabe für das Innenstadtzentrum der Evang. Kirche in Pforzheim
- 01.07.2019 -
In den 60er Jahren, zur Zeit des "Wirtschaftswunders" und vor der "Ölkrise" wurde in der Evangelischen Kirche in Pforzheim auf Wachstum hin gebaut. In den vielen Räumen wurde vielfältige Gemeindearbeit möglich. Seit einigen Jahren ist klar: wir können und wollen diese großen Flächen nicht auf Dauer als Gemeindeflächen nutzen. Die Gelder, die für Betrieb und Sanierung dieser Gebäude aufgewendet werden müssten, sollen verstärkt in inhaltlicher Arbeit eingesetzt werden.
Dazu wurden weitreichende Beschlüsse zur Reduzierung von Flächen gefasst. Im Bereich Innenstadt sollen 9 bisherige Standorte an einem zusammengefasst werden:
Nutzungsübersicht
Eine grobe Übersicht über die Verteilung im neuen Innenstadtzentrum (die genaue Zahl der Mitarbeitenden änderst sich im Lauf der Zeit, nicht alle Flächen der einzelnen Nutzer sind zwingend im gleichen Stockwerk untergebracht, hier die Hauptzuordnungen mit gerundeten Flächenangaben):
Gemeindehaus
Im Innenstadtzentrum sollen die früheren Gemeindehausflächen an der Altstadtkirche, Stadtkirche und Schloßkirche im Erdgeschoss ihren Platz finden:
Ein großer Saal (185m2), ein kleiner Saal (77 m2) und 3 Gruppenräume (insgesamt 108 m2), dazu eine Küche, Foyer, kleiner Abstellraum und Garderobe (insgesamt 420 m2). Zu Beginn der Planungen kooperierten die drei Innenstadtgemeinden bereits miteinander, inzwischen entstand die Friedensgemeinde, die auch die Nordstadt umfasst. Dort steht ebenfalls eine Reduzierung von Gemeindehausflächen an, einige der dortigen Angebote werden ebenfalls im neuen Innenstadtzentrum ihren Platz finden.
Pfarramt
Auch die Pfarrämter der drei bisherigen Standorte Altstadtkirche, Schloßkirche und Stadtkirche, sowie das Kantorat mit Notenlager werden im Innenstadtzentrum unterkommen, insgesamt ca. 210m2 , v.a. im 1. OG, inklusive Büros mit Platz für 10 Mitarbeitende. Beim Projektstart waren die bisherigen Pfarrämter der Nordstadt noch nicht im Blick, da das Gebäude nicht mehr vergrößert werden konnte, wird zu Zeit geprüft, ob alle Mitarbeitenden der neuen Friedensgemeinde im Innenstadtzentrum untergebracht werden können, oder ob es in der Nordstadt eine kleine Außenstelle geben wird.
Diakonische Werke mit Beratungsstellen und Verwaltung
Die Diakonischen Werke Pforzheim-Stadt (zur Zeit in der Goethestraße) und Pforzheim-Land (zur Zeit in der Lindenstraße) werden mit vielen ihren Beratungsangeboten (265m2) und Verwaltung (184m2) ebenfalls in Büros für mehr als 40 Mitarbeitende einziehen: im 1. und 2. OG (mit Nebenflächen insgesamt 730 m2).
Evang.-Katholische Medienstelle/Schuldekanat/Dekanat
Dekanat und Schuldekanat mit Evang.-Kath. Medienstelle wird man im 2. OG finden: der neue Medienraum wird 90 m2 umfassen, 5 Büros mit Besprechungstischen für 7 Mitarbeitende, ca. 80m2 (mit Nebenflächen insgesamt 210 m2).
Kirchenverwaltung
Im 3. OG wird die Evangelische Kirchenverwaltung untergebracht: dort entstehen 12 Büros für 20 Mitarbeitende, mit Nebenflächen insgesamt 520 m2)
Die Besprechungsräume werden gemeinsam benutzt. Auf allen Stockwerken sind die erforderlichen Flure, Teeküchen, Technikräume und Toiletten eingeplant -wo immer möglich Mehrfachnutzungen.
Durch die Zusammenführung wird die Nettogrundfläche um ca. 6000 Quadratmeter reduziert.
bisherige Planung
2013
Im März 2013 wurde von der Stadtsynode beschlossen die Pfarrämter, Gemeindehäuser und die Kirchenmusik der Standorte Altstadtkirche, Schloßkirche und Stadtkirche in einem neu zu errichtenden Gebäude an der Stadtkirche unterzubringen. Zu diesem Zeitpunkt war geplant das Verwaltungsgebäude "Hermann-Maas-Haus" zu sanieren und weiter zu nutzen.
Es wurde ein Raumprogramm erstellt, um einen Architektenwettbewerb für das neue Gebäude und die Sanierung des Hermann-Maas-Hauses beginnen zu können.
Für das Hermann-Maas-Haus zeigte sich: die Anforderungen aus dem Gestaltungsbeirat in Kombination mit den zur Verfügung stehenden Flächen umzusetzen ist nicht im vertretbaren Kostenrahmen möglich.
2016
Deshalb beschloss die Stadtsynode im Mai 2016 das zu planende Gebäude an der Stadtkirche aufzustocken und die Diakonischen Werke, Dekanate und Kirchenverwaltung ebenfalls dort unterzubringen. Im September wurden in der Stadtsynode 10 Mio € für das Projekt beschlossen.
Auf Grundlage des Synodenbeschlusses mit den schon entwickelten Raumprogrammen wurde ein Architektenwettbewerb ausgelobt.
2017
Die Jury, besetzt neben kirchlichen Vertreter*innen auch mit Mitgliedern des Gestaltungsbeirates und Bürgermeisterin Schüssler, vergab den 1. Platz an den Entwurf des Architekturbüros Lamott&Lamott. Im Mai 2017 wurde der Vertrag zur Planung des Innenstadtzentrums mit dem Gewinner des Wettbewerbs geschlossen. Im Laufe der Planung stiegen die Baukosten erheblich. Neben den allgemeinen Baukosten, trieb auch die Qualität des Entwurfs mit großzügigen Flächen im Eingangsbereich/Flure die Kosten in die Höhe. Städtebaulich sollte an dieser prominenten Stelle kein "08/15-Bürogebäude" entstehen. Ende 2017 beliefen sich die Kostenschätzungen auf 13,6 Mio €.
2018
Da in dieser Kostenschätzung Risiken wie Bombenfunde u.ä. nicht enthalten waren, wurde die aktuelle Planung gestoppt, Alternativen durchgerechnet und verschiedene Varianten mit Reduzierung der Flächen/Raumvolumen erstellt.
Der Entwurf mit den reduzierten Flächen überzeugten jedoch den Gestaltungsbeirat nicht, so dass das Gebäude erneut umgeplant wurde.
Im April 2018 beschloss die Stadtsynode, dass die Planungen der "Variante D" mit einem Kostenvolumen von 10,8 Mio € zzgl. eines Risikopuffers von 1,2 Mio € weiter gehen können. 2019
Ende Juni 2019 lagen die ersten Ausschreibungsergebnisse vor. Es gingen je nach Gewerk 2-5 Angebote ein. Die Ergebnisse lagen 17 % höher, als vorher kalkuliert. Die Gesamtsumme der Kosten stieg damit auf 12,3 Mio €. Die Kostenberechnungen der noch nicht ausgeschriebenen Gewerke wurden daraufhin vom Projektsteuerer und der Bauabteilung mit 10-17% bepreist, um das Risiko einer erneuten Steigerung bei den noch ausstehenden Ausschreibungen rechnerisch zu beziffern. Damit könnte das Projekt bei 13,13 Mio € liegen.
Obwohl die Synodalen Preissteigerungen im der Baubranche kannten, wurden auf Grund dieser Summe erneut Alternativen abgewogen: Können Flächen angemietet werden? Kann das Projekt zeitlich nach hinten geschoben werden und durch neue Ausschreibungen günstigere Angebote generiert werden? Können wir "zurück auf Null" und doch die bestehenden Gebäude sanieren? Nach eineinahlstündiger Diskussion war klar: eine Sanierung der Bestandsgebäude kann die Kosten nicht senken, da die größten Ausgaben "im Boden vergraben" sind: die Kosten für die Errichtung der Baugrube mit Brunnen für die Wasserhaltung und die Kosten für die Tiefgarage, die auch einem Hochwasser stand halten muss, fallen an, egal wie groß das Gebäude wird, das darauf steht. Eine Reduzierung um ein Stockwerk und Anmietung der fehlenden Flächen an anderer Stelle wäre ein erheblicher Eingriff in den Entwurf, der den Wettbewerb gewonnen hat, vom Gestaltungsbeirat befürwortet wurde und für den eine Baugenehmigung vorliegt. D.h. neue Planungen und Verhandlungen würden notwendig. Dies würde eine zeitliche Verschiebung des Projektes bedeuten zzgl. Kosten für die Anmietung von Räumen.
Eine zeitliche Verschiebung mit der Chance auf günstigere Angebote, birgt auch die Gefahr von noch teureren Angeboten - es gibt z.Zt. auch Bauprojekte, die keine Angebote erhalten. Sollte die allgemeine Wirtschaftlage nicht einbrechen käme aus heutiger Sicht auch eine weitere Kostensteigerung dazu: z.Zt. wird in der Baubranche mit einer Kostensteigerung von 5%/Jahr kalkuliert, was beim Projekt Innenstadtzentrum mind. 37.000 € pro Monat bedeutet.
Eine zeitliche Verschiebung mit der Chance auf günstigere Angebote, birgt auch die Gefahr von noch teureren Angeboten - es gibt z.Zt. auch Bauprojekte, die keine Angebote erhalten. Sollte die allgemeine Wirtschaftlage nicht einbrechen käme aus heutiger Sicht auch eine weitere Kostensteigerung dazu: z.Zt. wird in der Baubranche mit einer Kostensteigerung von 5%/Jahr kalkuliert, was beim Projekt Innenstadtzentrum mind. 37.000 € pro Monat bedeutet.
Nach Abwägung aller Optionen gab die Stadtsynode den Bau des Innenstadtzentrums frei, verbunden mit der Auflage, dass Bauabteilung, Architekt und Fachplanern gemeinsam mit dem Projektsteuerer weiterhin alle Möglichkeiten der Kosteneinsparung nutzen, damit die prognostizierte Kostensteigerung nach Möglichkeit nicht eintrifft. Die baubegleitende Kommission wird im Auftrag des Stadtkirchenrates die Arbeiten eng begleiten.

