Gemeinsam Gesellschaft gestalten
- 26.07.2019 -
Die Entscheidung das Gemeindehaus in der Altstädterstraße für die Anschlussunterbringung von Flüchtlingen zur Verfügung zu stellen, löst bei manchen aggressive Reaktionen aus.
Konstruktive Anregungen sind immer willkommen. Was wir als Evang. Kiche nicht umsetzen werden ist die Aufforderung "nur für die Deutschen" oder "nur für die Kirchensteuerzahler" etwas zu tun: wir lesen sowohl in der Bibel, als auch in unserem Grundgesetz etwas anderes.
Bei dem Projekt "Wohnraum Anschlussunterbringung für Flüchtlinge" ist es gelungen, dass verschiedene Beteiligte, hier v.a. Stadt, Land und Kirche gemeinsam in einem Problemfeld ("fehlender Wohnraum") einen kleinen Baustein beitragen konnten. Damit ist die Wohnungsnot nicht gelöst und damit sind andere gesellschaftliche Probleme auch nicht gelöst. Wir sind überzeugt davon, dass einzelne Beiträge, egal ob klein oder groß besser sind, als Verantwortung auf "die anderen" abzuschieben und darauf zu warten, dass andere Komplettlösungen für die Weltrettung frei Haus liefern.
Oder etwas ausführlicher ausgedrückt:
Ja, es gibt sie, die Menschen, die uns sagen: "Wie könnt ihr die Schmarotzer unterstützen, die sich nur in der sozialen Hängematte ausruehn. Wenn ihr die unterstüzt, trete ich aus der Kirche aus." weil wir als Kirche z.B. im Erwebslosentreff, in der Obdachlosenhilfe oder Suchthilfe für Menschen Angebote machen, die ihren Lebensunterhalt nicht selbst bestreiten können.
Ja, es gibt sie, die Menschen, die uns sagen: "Bewahrung der Schöpfung und Nächstenliebe, hört auf mit dem politischen Geschwätz, nehmt lieber selbst Flüchtlinge auf und schafft eure Autos ab. Sowas will ich mir nicht anhören müssen, ich trete aus der Kirche aus." weil wir als Kirche in gesellschaftlichen Fragestellungen Position beziehen.
Ja, es gibt sie, die Menschen, die uns sagen: "Wohnungen für Flüchtlinge zur Verfügung stellen, ihr seid doch nicht mehr ganz richtig im Kopf, ihr solltet euch zuerst um die deutschen Bürger kümmern. Jetzt ist es wirklich Zeit aus der Kirche auszutreten", weil wir als Kirche Wohnungen für Anschlussunterbringung von Flüchtlingen bereitestellt haben.
Ja, es gibt sie, die Menschen, die uns sagen: "Nicht mehr jeden Sonntagmorgen in allen Kirchen Gottesdienst und für die Orgel ist auch kein Geld da? Würdet ihr euch besser auf die Kernaufgabe Gottesdienst konzentrieren, statt auf gesellschaftlichen Projekte - darum soll sich der Staat kümmern", weil wir als Kirche nicht alle Gebäude und Einrichtungen für die rein gottesdienstlichen Zwecke erhalten können.
An Tagen wie heute sind diese Stimmen laut. Aber sie sind nicht alleine:
Ja, es gibt sie, die Menschen, die ehrenamtlich oder hauptamtlich unsere Projekte unterstützen: manche täglich, manche wöchentlich, manche monatlich, manche ab und zu, wenn es zeitlich passt.
Ja, es gibt sie, die Menschen, die keine Zeit oder Kraft für eigenes Engagement haben, die gerne spenden, um die Angebote zu ermöglichen.
Ja, es gibt sie, die Menschen, die sich in kirchlichen und staatlichen Gremien die Zeit nehmen Argumente zu hören, Lösungswege zu diskutieren, Kompromisse schließen, politische Entscheidungen treffen und Verantwortung für diese Entscheidungen übernehmen.
Ja, es gibt sie, die Menschen, die in anderen Vereinen, Verbänden oder Bürgerinitiativen an einer kleinen oder großen Stelle anpacken.
Ja, es gibt sie, die vielen Menschen, die ganz für sich im privaten Umfeld die kleinen Dinge tun, die viel bewirken: dem Obdachlosen eine Flasche Wasser geben, der Nachbarin beim Einkauf helfen, Müll aufsammeln, den sie selbst nicht hinterlassen haben,...,...
Ja, es gibt sie, die Menschen, die auf Grund ihrer persönlichen Situation all das nicht können, aber sich über diejenigen freuen, die sich für die Gesellschaft einsetzen.
Wir freuen uns über jede und jeden, die sich konstruktiv mit Worten oder Taten in einem Teilbereich der Gesellschaft für gute Lösungen einsetzen.
