Der zweite Abend der Veranstaltungsreihe "30 Jahre friedliche Revolution" in der Auferstehungskirche. Pfarrerin Heike Springhart begrüßt die Besucher*innen und Siegbert Schefke:
Als die Hoffnung laufen lernte – von Widerstand, Aufstehen und der mutigen Kraft von Visionen
- 11.10.2019 -
Schon der Einstieg war sehr persönlich: der 15jährige Siggi weiß ganz genau, wo seine Ost-Oma in der Küche die Kekse hat und fragt sich: wo hat eigentlich die West-Oma in der Küche Ritter Sport? Er war noch nie in der Küche der West-Oma. Da darf er frühestens mit 65 hin - also in 50 Jahren, da wird seine Oma nicht mehr leben.
Seine Zeit in der Armee (da will er nicht hin: der Westen als Kriegsgegner - ich schieß doch nicht auf meine Oma- zerstört den Rest der Hoffnung auf ein Leben, wie er es sich vorstellt.
Im Studium besteht er eine Prüfung nicht - doch nicht intelligent genug für die Anforderungen? "Ich hab´s 10 Jahre lang geglaubt." In seiner Stasiakte kann er nachlesen: die Unterschrift gegen die Stationierung von Atomwaffen hat sein Studium beendet.
Seine Zeit in der Armee (da will er nicht hin: der Westen als Kriegsgegner - ich schieß doch nicht auf meine Oma- zerstört den Rest der Hoffnung auf ein Leben, wie er es sich vorstellt.
Im Studium besteht er eine Prüfung nicht - doch nicht intelligent genug für die Anforderungen? "Ich hab´s 10 Jahre lang geglaubt." In seiner Stasiakte kann er nachlesen: die Unterschrift gegen die Stationierung von Atomwaffen hat sein Studium beendet.
Durch die persönlichen Erfahrungen wird die Vergangenheit greifbar, lebendig - zur Veranschaulichung wie die Mauer konstruiert ist wird auch schon mal die Brille einer Besucherin als Anschauungsobjekt genutzt ;-)
Die Vorstellung noch so viele Jahre hinter dieser Mauer unter den Bedingungen leben zu müssen führt dazu, dass er gemeinsam mit anderen aktiv wird: Umweltbibliothek in den Räumen der Zionskirchengemeinde in Berlin. Sie drucken eine Zeitung für den "innerkirchlichen Raum", aber sie würden gerne mehr Menschen erreichen. Die Lösung: direkt ins Wohnzimmer der Menschen: übers Westfernsehen.
Die Vorstellung noch so viele Jahre hinter dieser Mauer unter den Bedingungen leben zu müssen führt dazu, dass er gemeinsam mit anderen aktiv wird: Umweltbibliothek in den Räumen der Zionskirchengemeinde in Berlin. Sie drucken eine Zeitung für den "innerkirchlichen Raum", aber sie würden gerne mehr Menschen erreichen. Die Lösung: direkt ins Wohnzimmer der Menschen: übers Westfernsehen.
Gut vernetzt - auch in den Westen über Menschen, die ausgeürgert worden waren und mit Umweltbibliotheksgruppen im ganzen Land drehen sie Filme über den Zerfall der Innenstädte, Umweltprobleme und Skinheads in der DDR.
Natürlich filmen sie dann auch die Demonstrationen - dazu müssen sie aber erst mal die Stasi abhängen, aus der eigenen Wohnung heraus ging dabei nur über die Dächer. In Leizig angekommen hatten sie den perfekten Standort: ein Hochhausbalkon, aber der Hausmeister gibt ihnen den Tipp: das ganze Haus ist voller Stasi. Also suchen sie sich einen neuen Standort: den Kirchturm.
Am Ende können die Besucher*innen noch Fragen stellen, dabei kommen auch aktuelle Fragen zur Sprache: wie ist das Verhältnis von Ost und West heute, "abgehängter Osten" mit Pegida und Co. als Reaktion. Hier vertritt Siegbert Schefke einen klaren Standpunkt: "uns geht es heute so gut wie nie. Das Ost-West-Ding ist mir oft peinlich." Seine Kinder können beruflich das werden was sie wollen und sind viel unterwegs (das Foto das hier mit dem Smartphone geknipst wird, wird gleich an die Tochter geschickt - weltweit unterwegs und trotzdem in Kontakt). Die Unterschiede zwischen Kiel und München seien mindestens genauso groß. Die Krankenschwester in Kiel verdient wahrscheinlich auch weniger, als die Krankenschwester in Stutgart. Angst seine Meinung zu sagen muss heute in Deutschland auch keiner haben: bei den ersten Demonstrationen damals gab es keine Plakate: die Angst aus der Masse herauszustechen und damit als erstes erschossen zu werden war zu groß.
Nach dem Vortrag konnten die Besucher*innen Siegbert Schefkes Buch kaufen, mit ihm und miteinander ins Gespräch kommen.
Die Veranstaltungsreihe in Kooperation mit dem DDR-Museum, der Landeszentrale für politische Bildung und der Erwachsenenbildung Pforzheim geht nächste Woche weiter mit Stephan Krawczyk Konzertlesung "Wieder stehen. Rettung kommt von Ohnmacht nicht" 16. Oktober 19.30 Uhr Auferstehungskirche und am 23. Oktober 18.00 Kommunales Kino, Film: Familie Bransch mit Filmgespräch mit Schuldekanin Katharina Vetter, die 1989 in Leipzig Thelogie studierte.
Am Sonntag startet die Predigtreihe zu "30 Jahre friedliche Revolution" 10.00 Uhr Gottesdienst mit anschließender Gesprächsrunde.







