Poetry-Slam: Peace & Love
- 21.02.2020 -
Die Klassen 10b und 10c des Kepler-Gymnasiums beschäftigten sich in einem Poetry-Slam Workshop mit "Peace and Love" - Friede und Liebe.
Bevor die poetischen Texte eines Poetry Slams entstehen wird erst einemal Material gesammelt. So standen an der Tafel nach der ersten Runde einige Begriffe - was verbinden wir mit Friede, Liebe aber auch mit Krieg und Hass?: Lebensfreude, Familie, Respekt, Scherben, Blut, Tod, Streit. Und was gibt es zwischen diesen Gegensätzen? Ignoranz, Gleichgültigkeit, unbewusst, Normalität.
So entstanden nach und nach viele Texte - einige davon wurden heute vorgetragen, unterstützt durch musikalische Beiträge der Schulband.
Gedanken eines Kampfpiloten, Weltschmerz, Brief an den Hass, Wandel- schon die Titel der Beiträge ließen erahnen, dass die Jugendlichen es sich nicht einfach gemacht haben - beispielhaft zwei Geschichten, die die Jungendlichen in Worte gefasst haben:
Ein Mädchen das im Traum sieht, wie Menschen vor einem Angriff fliehen und hilflos mitansehen muss, wie ein Kind stirbt. "Plötzlich höre ich wieder Schritte. Diesmal eher ein gleichmäßiges Klacken, wie von schweren Stahlkappenschuhen. Ich verstumme und halte den Atem an. Über mir erscheint groß und bedrohlich ein Soldat. Er blickt auf das tote Kind und tritt es mit dem Fuß, um zu sehen, ob es noch lebt. Mich packt die Wut, ich kann nicht anders als schreien.Plötzlich blickt der Soldat mir direkt in die Augen. Seine Augen sind schwarz, seine Mimik ist starr und ich sehe keinerlei Gefühle. Bevor ich zu einem weiteren Gedanken kommen kann, richtet er sein Gewehr direkt über die Scheibe auf mich. Ich höre einen Knall und die Scheibe zersplittert. Auf mich regnen die Splitter, wie buntes Konfetti und ich wache auf."
Ein junger Erwachsener, der beim Aufräumen des Dachbodens das Tagebuch seines Urgroßvaters findet und seine Geschichte nachliest: "gebrainwashed" durch die HJ (der Gerhirnwäsche der HJ ausgesetzt), Eintritt in die Partei, wie es sich durch seine Herkunft wertvoll fühlte und wie er in er Partei aufstieg. "Ich merkte, was das bedeutete: er war ein Nazi. Oder zumindest schwamm er in der braunen Suppe, die man damals Gesesllschaft nannte mit." Einzug zum Kriegsdienst mit 16, er musste um sein Leben bangen und "für eine Sache kämpfen, hinter der er schon lange nicht mehr stand", dem Krieg entkommen, Wandel, Widerstand.
"Ich denke darüber nach, welche Luxusprobleme wir doch haben und wie klein sie doch im Vergleich der Probleme der damaligen Zeit sie sind. Ich denke daran, wie frei wir doch sind, und wie wenig wir es wertschätzen. Ein Trost finde ich nur darin zu sehen, wie viele Menschen sich nicht verunsichern lassen und das sie andere respektieren. Und ich bin einfach dankbar, dass ich nicht diesen Kampf führen muss."
Mitschüler*innen und auch die erwachsenen Besucher*innen waren beeindruckt von dem Mut der Jugendlichen, sich auf dieses schwierige Thema einzulassen. Danke für eure tiefgründigen Texte!