An die Zukunft glauben

- 23.02.2020 - 

Dekan Bernhard Ihle und Dekanin Christiane Quincke begrüßten zahlreiche Gottesdienstbesucher zum ökumenischen Gottesdienst zum Jahrestag der Zerstörung Pforzheims. Aus vielen verschiedenen Gemeinden sind sie zusammengekommen, um das Gedenken am 23. Februar gemeinsam mit einem Gottesdienst unter dem Motto "An die Zukunft glauben" zu beginnen.

An die Zukunft glauben ist nicht einfach, wenn man auf Hass, Gewalt und Krieg blickt. Bernhard Ihle erinnerte daran, dass bei der Zerstörung Pforzheims der gekreuzigte Jesus auf der Herz Jesu Kirche unbeschädigt geblieben ist - der Gekreuzigte mit den ausgebreiteten Armen: ein Bild der Hoffnung.
Bilder von Krieg - Erfahrungsberichte von Kriegserlebnissen brachten die Jugendlichen aus St. Elisabeth ins Kyrie ein: Herr erbarme dich!
Dietrich Bonhoeffer wagte es an die Zukunft zu glauben: "Mag sein, dass der jüngste Tag morgen anbricht, dann wollen wir gerne die Arbeit für eine bessere Zukunft aus der Hand legen, vorher aber nicht." "Wir sind es Gott und uns schuldig, an die Zukunft zu glauben."
Die Predigt zu Offenbarung 21, 1-7 war dreigeteilt: Neue Schöfpung - Wohnung Gottes - Stadt des Friedens: Für Pastor Hans Martin Renno ist der Traum des Bibeltextes ein Traum, der das Zeug hat Wirklichkeit zu werden. Wir verschließen die Augen nicht vor der Wirklichkeit - aber: Alles muss klein beginnen und so wächst die neue Wirklichkeit einer gerechten Welt. Der erste Schritt ist gemacht: Gott wurde Mensch, Jesus ermutigt uns weitere Schritte zu tun.
Christiane Quinke nahm den Vers der Schriftlesung auf: "Seht die Wohnungen Gottes unter den Menschen, Er wird bei ihnen wohnen und sie werden sein Volk sein und Gott selbst wird bei ihnen sein." Gott könnte überall wohnen, nicht nur in unseren Kirchen. Was vor 75 Jahren in dieser Stadt geschehen ist, soll nie wieder geschehen. Gotteshäuser sollen nicht zerstört werden, nicht durch Terror und nicht durch Bomben. In der vor 75 Jahren zerstörten Stadt haben sich viele Religionen zum Rat der Religionen zusammengeschlossen. Nach Christchurch, Halle, den Parolen vor der Pforzheimer Synagoge, nach der Bombendrohung gehen die Pforzeimer Moschee, beim Aufmarsch der Partei "Die Rechten" und den vielen weiteren "Vorfällen" an die wir uns nicht gewöhnen wollen - stehen die Vertreter der Religionen gemeinsam vor den Gotteshäusern um sie zu schützen, sie zeigen: wir lassen euch nicht alleine. "Heute Abend stehen wir auf dem Marktplatz und segnen die Stadt, auch wenn wir unterschiedlich glauben und beten."
"Der Text reißt mich mit" sagt Georg Lichtenberger: die Visionen lassen uns nicht in Resignation versinken. Wir können der Vision unsere Stimme leihen. Von der Stadt die von der Grausamkeit gezeichnet wird, müssen Zeichen des Friedens ausgehen. Zeichen und Taten des Friedens und der Versöhnung, göttliche Menschlichkeit. Kein Tod, keine Trauer, keine Klage, keine Bomben, keine Drohungen, stattdessen Respekt und Achtung, Miteinander. Hände werden gereicht, statt Fäuste geballt. Dafür lohnt es sich aufzustehen.
"Es kommt die Zeit, in der die Träume sich erfüllen, wenn Friede und Freude und Gerechtigkeit die Kreatur erlöst, dann gehen Gott und die Menschen Hand in Hand. Es kommt die Zeit, in der die Völker sich versöhnen, wenn alle befreit sind und zusammenstehn im einen Haus der Welt, dann gehen Gott und die Menschen Hand in Hand. Es kommt die Zeit, dann wird der Erdkreis neu ergrünen mit Wasser, Luft, Feuer, wenn der Menschen Geist des Schöpfers Plan bewahrt, dann gehen Gott und die Menschen Hand in Hand."
Nagelkreuz-Versöhnungsgebet aus Coventry:
Alle haben gesündigt und ermangeln des Ruhmes, den sie bei Gott haben sollten. (Römer 3,23)
Darum beten wir:
Den Hass, der Rasse von Rasse trennt, Volk von Volk, Klasse von Klasse,
Vater, vergib.
Das Streben der Menschen und Völker zu besitzen, was nicht ihr eigen ist,
Vater, vergib.
Die Besitzgier, die die Arbeit der Menschen ausnutzt und die Erde verwüstet,
Vater, vergib.
Unseren Neid auf das Wohlergehen und Glück der anderen,
Vater, vergib.
Unsere mangelnde Teilnahme an der Not der Gefangenen, Heimatlosen und Flüchtlinge,
Vater, vergib.
Die Gier, die Frauen, Männer und Kinder entwürdigt und an Leib und Seele missbraucht,
Vater, vergib.
Den Hochmut, der uns verleitet, auf uns selbst zu vertrauen und nicht auf Gott,
Vater, vergib.
Seid untereinander freundlich, herzlich und vergebet einer dem anderen, gleichwie Gott euch vergeben hat in Jesus Christus. (Epheser 4,32)