50 Jahre ACG

- 23.11.2020 - 

Kleiner als ursprünglich geplant wurde letzte Woche 50 Jahre ACG gefeiert, aber gefeiert wurde mit einem Gottesdienst in der Herz-Jesu-Kirche, gestaltet von Pfarrer Georg Lichtenberger, Pfarrerin Susanne Bräutigam und Pastor Hans Martin Renno.

50 Jahre ACG: ein Grund zu feiern und zurück zu blicken: die Gottesdienstbesucher*innen konnten in einer kleinen Ausstellung einige "Highlights" aus 50 Jahren ACG Revue passieren lassen
So ist z.B. die "Begegnung-Stadt-Kirche", die es im Sommer auch heute noch gibt eine der ACG-Aktionen, die es von Anfang an gab.
Von Anfang an war auch das Engagement für Migrant*innen ein großes Anliegen, genauso wie diakonische Aufgaben, wie die Telefonseelsorge oder die Vesperkirche, die in Pforzheim schon sehr früh ökumensich getragen wurden.
"Miteinander in Jesu Geist in unserer Stadt unterwegs sein, gemeinsames Tun aus dem Geist Jesu heraus" das war zu Beginn der Arbeit der ACG wichtig und trägt die Arbeit auch heute noch: beten, auf Gottes Wort hören und Salz und Licht für die Welt sein ist Auftrag an alle Christen, egal welcher Konfession
Auch wenn der Gottesdienst mit Corona-Regelungen nicht sehr lange war, gab es einen ausführlichen Rückblick auf die Anfangszeit der ACG Pforzheim:
Rolf Constantin erinnerte sich im Gespräch mit Georg Lichtenberger an die Anfänge - und natürlich durften auch Wünsche für die Zukunft nicht fehlen:
"Recht herzlich darf ich Sie zu dieser Begegnung begrüßen und ein wenig den Weg nachzeichnen, der zur Gründung der ACG in Pforzheim führte. Bereits Ende der 50-er Jahren trafen sich auf ihre aufgeschlossene und unbekümmerte Art die Jugendlichen beider großen Konfessionen zu Begegnungen in der Barfüßerkirche und gestalteten auch den Jugendkreuzweg durch die Stadt vor Ostern. In einem zweiten Schritt bildete sich in den 60- er Jahren ein Ökumenischer Arbeitskreis unter dem katholischen Pfarrer Karl – Heinz Würz, St. Bernhard und Dr. Johannes Kühlewein, der an der Thomaskirche wirkte. Dieser Kreis traf sich monatlich und begann mit der Ökumenischen Woche vor Pfingsten, Kanzelaustausch, gemeinsame Bibelwochen, Gebets- Vortragsabende und Einladungen und gegenseitige Besuche der Gottesdienste folgten. Ein gewichtiges Thema war die Seelsorge an konfessionsverschiedenen Ehen. Um das Thema Mischehe – Ehe zweiter Klasse und was können die Kirchen für Mischehen tun, ging es im Oktober 1969 im Gemeindesaal der Lutherpfarrei. Dieses Thema griff dann auch mit einer entsprechenden Resolution  an die betreffenden Stellen das erste Treffen von 40 evangelischen und katholischen Geistlichen der Stadt unter dem evangelischen Dekan Wilhelm Hertenstein, Stadtkirche und Dekan Theo Ullrich, St. Franziskus 1969 auf. Unbefriedigend bei allen Aktionen war das sporadische Einbeziehen der freikirchlichen Gemeinden und Gemeinschaften. So kam es im Frühjahr zu einem Gespräch sich aus christlicher Verantwortung stärker miteinander zu vernetzen, um auch gemeinsam mit der Stadt aufdrängende soziale Probleme reagieren zu können. 30 Gemeinden und Gemeinschaften schlossen sich dann im Juli 1970 zusammen und wählten Dekan Wilhelm Hertenstein zum ersten Vorsitzenden. Es war damals eine der ersten Arbeitsgemeinschaften in Baden – Württemberg. Den Namen Arbeitsgemeinschaft christlicher Gemeinden wählten wir bewusst, um möglichst vielen Gemeinschaften in iher bunten Vielfalt in Pforzheim eine Plattform zu geben.
Der Boden für ein breites Miteinander war damals durch eine Aufbruchstimmung gegeben zumal sich gleichzeitig auch die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen Baden – Württembergs entwickelte, in die sich auch Pforzheim mit zwei Vertretern der ACG einbrachte. Es gab genügend Themen, die später auch zu der jährlichen Begegnung Stadt – Kirche in Hohenwart führten. Im Februar 1976 kam es zu einer ersten „Woche des gemeinsamen Zeugnisses der christlichen Gemeinden in Pforzheim“. Das Thema: „Christus eint und befreit„ war der ökumenischen Konferenz, die 1975 in Nairobi stattfand, entnommen. Namhafte Referenten wie die Christa Meves, Siegfried Buddeberg, Prof. Illies und das Jansen- Team gestalteten die Woche mit.  In der evangelischen Stadtkirche fand auch der ökumenische Gottesdienst anlässlich der Einweihung des Rathauses am 7. Juli 1973 statt.
Im Vordergrund stand stets das gemeinsame Handeln. Gleich im Advent 1970 kam es zu einem Aufruf die 10 000 ausländischen Mitbürger stärker in den Blick zu nehmen. Behörden, Parteien, Betriebe und Hausbesitzer wurden angesprochen sich aktiv für einen gerechten und freundlichen Umgang mit ihnen einzusetzen und Hilfen anzubieten, um das Einleben in fremder Umgebung zu erleichtern.  Pforzheim war damals auch die kleinste Stadt in Deutschland in der unter Pfarrer Buschbeck, Sonnenhofgemeinde, eine Telefonseelsorge „ rund um die Uhr „ mit 70 Mitarbeitern entstand an die sich Menschen in Notsituationen wenden konnten. Daraus entwickelte sich später die Telefonseelsorge „Nördlicher Schwarzwald“. Daneben entstand zeitgleich die“ Warme Stube für die Nichtsesshaften“ an Sonn – und Feiertagen von Oktober bis März abwechselnd in den einzelnen Gemeindehäusern der ACG Mitglieder. Sie war auch der Anstoß zur segensreichen Einrichtung der Vesperkirche, die zu den ersten in Baden – Württemberg zählt. Das geistliche Wort in der PZ vor Sonn – und Feiertagen war der Weg in die Öffentlichkeit zu gehen und gibt es seit 1970. Die Medienstelle und die Psychologische Beratungsstelle für Ehe-Familien, Leben seien noch als Anlaufstellen der Gründerzeit genannt, wenn auch die beiden letzten evangelisch – katholisch aufgebaut sind, aber allen zur Verfügung stehen.
Immer ging es darum sich für den Frieden in der Stadtgemeinschaft einzusetzen und für Gerechtigkeit zu sorgen. Dies stand im Mittelpunkt der Aktionen und Begegnungen unterschiedlichster Art der ACG. Christliche Arbeit ist Friedensarbeit. Das verbindet die Christen aller Gemeinden und Gemeinschaften und bildet so die gemeinsame Basis. Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung sind Grundanliegen der Christen und damit auch deren Auftrag.
Daher wünsche ich mir, dass gerade in unserer bunt gemischten Bevölkerung ein friedliches Miteinander, Respekt und Anerkennung der unterschiedlichen Kulturen sowie Wertschätzung unser Miteinander bestimmen und die ACG hier über ihre Mitglieder dazu beiträgt. Daneben, dass sich die ACG verstärkt in der Öffentlichkeit einbringt und auch aktiv dafür wirbt, dass Christen im Gemeinderat Verantwortung übernehmen. Nach wie vor ist Pforzheim ein Magnet was die Zahl der Zuzüge angeht. Da es viele Menschen sind, die oft einen harten und dornenreichen Weg zurücklegen mussten, um bei uns eine neue Heimat zu finden, ist es wichtig auch für diese Menschen in unserer bunter Stadtgemeinschaft Ansprechpartner zu sein."