Design-Absolventin der Hochschule Pforzheim schafft Orientierung im Haus der Evang. Kirche
- 06.08.2021 -
Taube? Engel? Kreuz? Was sehen Sie in diesem Logo? Ein Kreis in vier Teile zerlegt und neu wieder zusammengesetzt sind die Grundelemente, aus denen nicht nur ein Logo, sondern auch verschiedene Ornamente zusammengesetzt werden können. Diese Idee hatte Giulia Papaleo, Desing-Absolventin der Hochschule Pforzheim, für ihren Entwurf eines Leitsystems für unser neues „Haus der Evangelischen Kirche“.
Die Friedensgemeinde mit Pfarramt und Gemeindegruppen, Chor- und Ensembleproben, Veranstaltungen der Erwachsenenbildug, Beratung im Diakonischen Werk, Religionslehrer*innen, die Medien ausleihen, Mitarbeitende, die mit verschiedensten Anliegen in die Kirchenverwaltung, ins Dekanat oder Schuldekanat kommen und noch viele mehr – alles wird im neuen Haus der Evang. Kirche stattfinden. „Wo muss ich hin?“ wird die Frage sein, für alle, die zum ersten Mal ins Haus kommen.
Dabei hilft in allen großen Gebäuden ein Leitsystem. Für die Entwicklung des Leitsystems für unser neues großes Gebäude mit 4 Eingängen, 4 Etagen und 5 verschiedenen Einrichtungen mit ihren vielen Unterabteilungen und Gruppen unter einem Dach, haben wir uns Unterstützung von der Hochschule Pforzheim geholt.
Was macht die Identität eines Gebäudes aus und wie finde ich mich darin zurecht? Wie werden Besucher*innen und Nutzer*innen im Gebäude empfangen? Wie ermöglichen wir eine Identifikation mit dem Ort und eine breite Teilhabe? Mit diesen Fragen haben sich 8 Studierende des Kurses Kommunikation im Raum im Studiengang „Visuelle Kommunikation“ im Rahmen eines Wettbewerbs beschäftigt.
„Die Aufgabe war herausfordernd für die Studierenden, denn sie mussten viele unterschiedliche Zielgruppen im Auge haben: von Kindern, die Chorproben und Gruppenstunden besuchen, bis zu Erwachsenen, die das Beratungsangebot nutzen möchten und unterschiedlichste soziale und kulturelle Hintergründe mitbringen“, sagt Dagmar Korintenberg. Die Stuttgarter Designerin und Lehrbeauftragte leitete bereits im Winter den Kurs, in dem die Ideen entstanden.
Im Februar präsentierten die Studierenden ihre Konzepte vor der Jury. Giulia Papaleos Entwurf unter dem Motto „Ort der Gemeinschaft“ wurde auf den 1. Platz gewählt,
ebenso der Entwurf „gemeinsam entdecken und erleben“ von Aylin Maus, die eigene Piktogramme entworfen hatte, die über eine App in der digitalen Welt „zum Leben erweckt“ werden können und den Besucher*innen des Hauses Geschichten erzählen, die Menschen ins Gespräch bringen.
Auch die anderen Entwürfe hatten je eine andere Grundidee:
Sophie Spatschke: „Vielfalt als Bereicherung“, ein Entwurf, der mit fröhlich bunten Farben und vielfältigen Mustern Orientierung schafft.
Isabel Schleicher: „Was wünscht du dir“, ein Entwurf, der vom Gespräch im Stuhlkreis ohne Hierachien ausgeht und aus dem Kreis mit Schnittstellen heraus Icons für die verschiedenen Bereiche entwirft.
Nora Myriel Gruica entwickelt in ihrem Entwurf ebenfalls Icons: mit einzelnen Elemente aus einem „Baukasten“, die sich auch in einem Mobile im Foyer wiederfinden.
Anna Graf stellt „Hände“ in den Mittelpunkt ihres Entwurfs, als Symbol dafür, was Menschen im Haus tun.
Carina Da Silva Fernandes nimmt den „Knick“ im Gebäude in ihrem Entwurf „Die umarmende Geste“ auf und setzt diesen „Knick“ zur Gestaltung in den Elementen ihres Entwurfs ein.
Lejla Bratic bringt mit ihrem Entwurf „Stoff Umarmung“ ein ganz anderes Material in die Gestaltung mit ein: Stoffe, die mit stilisierten Mustern kirchlicher Symbole bedruckt werden.
Die Vielfalt der unterschiedlichen Herangehensweisen und Ergebnisse hat die baubegleitende Kommission überrascht. Zu Beginn des Projektes war noch offen, welche Entwürfe es geben wird und wie verwendbar sie sein würden. Thorsten Heid fasst die Zusammenarbeit mit den Studierenden so zusammen: „Es war eine tolle Erfahrung und es sind sehr schöne Arbeiten entstanden. Beeindruckend wie viel Energie die Studentinnen in das Projekt gesteckt haben.“
Aus vielen Entwürfen konnte jedoch nur einer ausgewählt werden, mit dem weiter gearbeitet wird:
Die baubegleitende Kommission hat sich vier der entstandenen Entwürfe genauer angeschaut und sich für die Weiterarbeit mit Giulia Papaleo entschieden.
Warum sie ihr Konzept auf die Grundform Kreis aufgebaut hat, erklärt sie so: „Der Kreis ist Symbol der Gemeinschaft. Zusammenhalt entsteht immer wieder neu, wenn die Segmente eines Kreises in einer anderen Form zusammenfinden. Gleichzeitig spielt das Logo mit der christlichen Symbolik und regt zu unterschiedlichen Assoziationen an. Da können eine Taube, ein Kreuz oder ein Engel sichtbar werden.“
Neben dem Logo entwickelte sie aus den einzelnen Teilen des zerlegten Kreises verschiedene Ornamente, die im Haus auf den verschiedenen Stockwerken an Wänden, Fenstern oder Türen angebracht werden könnten.
„Wie kann man in einem funktionalen Gebäude zeigen, dass das Haus ein kirchliches Haus ist? Giulia Papaleo ist dies mit ihrem Entwurf gelungen: ohne Aufdringlichkeit, mit einer offenen Bildsprache, passend für alle Nutzer im Gebäude. Die Parallele zu Kirchenfenstern und die gleichzeitige Öffnung zu anderen Kulturen über die Ornamente begeisterte uns ebenfalls“, erklärt Dekanin Christiane Quincke zwei der Gründe für die Entscheidung der baubegleitenden Kommission.
Die Weiterentwicklung des Entwurfs und die konkrete Umsetzung erfolgen nun in den nächsten Monaten gemeinsam mit der Pforzheimer Agentur DMBO, die Erfahrungen mit den Produktionsabläufen und der Ausführung hat. Wir sind gespannt auf das Ergebnis! Wir danken allen Studentinnen, die uns mit ihren Arbeiten und den Gedanken, die sie sich dazu gemacht haben schon vor Fertigstellung des Hauses ganz unterschiedliche „Blicke“ auf unser Haus ermöglicht haben.