Besichtigung Orgelbaustelle Stadtkirche

- 28.07.2021 - 

-Orgel am Mittwoch-

Die Sanierung der Steinmeyer-Orgel in der Stadtkirche geht gut voran. Gunther Krichbaum, der Pate für die bis zu 60.000€ Bundesmittel aus dem Denkmalschutz-Sonderprogramm ist, konnte in der letzten Woche die Orgelbaustelle gemeinsam mit Herrn Zimmermann, Schatzmeister des Freundeskreises Kirchenmusik an der Stadtkirche besichtigen:

im Herbst soll es rund um die Wiederinbetriebbnahme weitere Orgelführungen geben - hier ein kleiner Einblick vom Baustellenrundgang letzte Woche:
Normalerweise soll man ja aufräumen, bevor Besuch kommt - bei einer Baustellenführung ist das etwas anders: überall auf der Empore verteilt liegen Orgelpfeifen:
in Kisten
auf den Chorpodesten
kleine Orgelpfeifen
große Orgelpfeifen
Gestelle, in die die Orgelpfeifen montiert werden,...
Kirchenmusikdirektorin Heike Hastedt und Orgelbauer Tilmann Späth erklären, warum diese große Sanierung der 1968 gebauten Steinmeyer-Orgel notwendig war (ausführliche Informationen dazu auf der Webseite Freiburger Orgelbau):
Die Orgel wurde zwar baulich von Anfang an ins Gebäude der Stadtkirche eingepasst, jedoch wurde der Klang aus Zeitgründen damals nicht im Raum angepasst, sondern die Orgelpfeifen, so wie sie in der Werkstatt entstanden waren einbebaut. Dies hat nun bei der Sanierung jedoch auch einen positiven Aspekt: die Orgelpfeifen sind gut zu bearbeiten, weil sie eben "noch jungfräulich" sind.
Außerdem sollte eine Orgel nach ca. 25 Jahren grundgereinigt werden - bei einem Instrument, dass wie an der Stadtkirche im Dauerbetrieb ist, nicht ganz einfach, so dass nach über 50 Jahren eine Reinigung dringend notwendig war.
Dabei werden nun auch Verschleißteile wie Leder und Filz ausgetauscht. Auch die Elektrik muss erneuert werden. Hier die Elektrik des alten Spieltisches:
Kirchenmusikdirektorin Heike Hastedt freut sich, dass mit der Freiburger Orgelbau eine Firma gefunden wurde, die sehr viel Erfahrung im Sanieren von Orgeln hat und gleichzeitig auch innovative Ideen umsetzen kann und für Vieles kreative Lösungen sucht:
Der alte Spieltisch bleibt von außen erhalten, die Elektrik wird jedoch komplett erneuert und mit zusätzlichen Finessen ausgestattet, die im engen Austausch zwischen den Kirchenmusiker*innen, die in Zukunft daran spielen werden und der Freiburger Orgelbaufirma genau für die Stadtkirchenorgel angepasst werden.
Die Registrierung (Zusammenspiel verschiedener Register - also einer Gruppe gleicher Orgelpfeifen) kann vor dem Spielen programmiert werden und dann über Touchscreen oder
über den "Playknopf" am Manual gesteuert werden. Da dieser Knopf am untersten Manual in der Mitte liegt, wurde nun zusätzlich unter jedem Manual eine Bedienleiste eingefügt.
Die verschiedenen "Register" kann man gut auch im Inneren der Orgel erkennen: die Orgelpfeifen unterscheiden sich nicht nur in der Größe und im Material, sondern auch in der Form der verschiedenen Orgelpfeifen.
 
Der Wind, mit der die Orgelpfeifen erklingen können gelangt hier in die Orgel, das ist eine der Stellen, an der sich besonders deutlich zeigt, wie viel traditionelles Handwerk auch in modernen Orgeln steckt, mit Materialien aus vielen Epochen: blau eingeschlagen liegen hier tatsächlich ganz gewöhnliche Waschbetonplatten ;-)
Noch sind viele Stellen leer, im Moment sind die Verantwortlichen aber zuversichtlich, dass die Orgel Mitte November fertig sein könnten, ca. 70-80% der Arbeiten sind abgeschlossen.
Blick auf die Orgel von außen - mit noch vielen Lücken zwischen den einzelnen Pfeifen
und der umgekehrte Blick von der gleichen Stelle aus in die andere Richtung
 
Herr Späth überraschte dann auch noch mit dem Hinweis: "Sie können übrigens jetzt zum ersten Mal drauf spielen" - noch kein klangliches Highligt, da Stimmung, Intonation und noche viele Pfeifen fehlen, aber trotzdem ein schöner Zwischenschritt auf dem Weg zur Wiederinbetriebnahme:
die Stimmung  und Intonation (der Klang jeder einzelnen Orgelpfeife wird angepasst) an diesem Beispiel zu sehen: ein Stück Metall am oberen Ende ist eingeschnitten und kann entsprechend verändert werden.
Wir sind dankbar, dass viele Menschen sich für den Erhalt von Orgeln einsetzen und sich auch finanziell daran beteiligen - die großen Summen, wie die Bundesmittel helfen natürlich besonders, aber auch die vielen kleinen Summen, die z.B. über die Orgelpatenschaften zusammengekommen sind, machen ein solches Großprojekt erst gemeinsam möglich.
Danke an alle Spender*innen und Unterstützer*innen.
 
 
 
"Orgel am Mittwoch"
Die Orgeln gilt als "die Königin der Instrumente", Orgelbau und Orgelmusik sind von der UNESCO zum "Immateriellen Kulturerbe der Menschheit" erklärt worden. Mit der Reihe "Orgel am Mittwoch" berichten wir hier auf der Webseite regelmäßig über Orgelmusik, Orgelsanierungen und sonstiges rund um das Thema Orgel.
Der Erhalt von Orgel braucht finanzielle Unterstützung von vielen. Wenn Sie  etwas dazu beitragen wollen, können Sie dies mit einer Spende tun. Spenden können Sie auf das Konto der Evangelischen Kirche bei der Sparkasse Pforzheim Calw und folgender IBAN- Nummer: DE53 6665 0085 0000 8010 46 Bitte unbedingt im Verwendungszweck "Spende Orgel" angeben - gerne können Sie auch für eine bestimmte Orgel zweckgebunden spenden, dann den Namen der Kirche im Verwendungszweck ergänzen. Wenn Sie weitere Fragen haben: wenden Sie sich gerne an unseren Bezirkskantor Wolfgang Bürck 07231 / 51277 wolfgang.buerck@kbz.ekiba.de