We are not afraid
- 01.11.2022 -
Gottesdienst zum Reformationstag Badischer Enzkreis und Pforzheim
"Ein feste Burg ist unser Gott" ein Lied, dass für viele eng mit dem Reformationstag verbunden ist.
Ein Lied, das zur Zeit Luthers wohl mit Harfe und Flöte gesungen wurde, aber dann von der tänzerischen Melodie zur Hymne "eines triumphalistischen Nationalprotestantismus" wurde, mit dem deutsche Soldaten in den Ersten Weltkrieg zogen.
Arnd Henze, Journalist im WDR, schaut genau hin, wenn es um Worte geht und um deren Wirkung. In seiner Predigt zu Psalm 46 spannte er den weiten Bogen von den Worten des Psalmbeters, über Luthers Übersetzung und seinem Lied, dem Lied der Bürgerrechtsbewegung in den USA, Lieder von Wolf Biermann, Worten der Angstprediger unserer Zeit, den Worten, die uns ausgehen, angesichts des Grauens und immer wieder zwischendurch die Zuversicht, die durchscheint: "darum fürchten wir uns nicht".
Ergänzung: Wir haben von Arnd Henze das Manuskript der Predigt bekommen und dürfen es hier veröffentlichen - vielen Dank!
Quelle: Arnd Henze
"Es sind die Nuancen in der Sprache und in der Tonalität, die aus einem Sehnsuchts- und Hoffnungslied inmitten von Hoffnungslosigkeit und Angst ein trotziges Kampflied werden ließen"
'Gott ist unsere Zuversicht und Stärke, eine Hilfe in den großen Nöten, die uns getroffen haben.'(Psalm 46) Das klingt schon ziemlich anders als 'Ein feste Burg ist unser Gott, eine gute Wehr und Waffen'."
Um den Angst- und Hasspredigern etwas entgegenzusetzen, "brauchen wir eine Sprache und eine Tonalität, die die reale Not, die realen Bedrängnisse weder ausblendet, noch verzerrt, aber schon gar nicht heroisch überhöht."
Schon im Konfirmandenunterricht hat Arnd Henze das Leben von Martin Luther King beeindruckt. Die Demonstranten, die mit Angst in den Gesichtern in den zittrigen Gesang einstimmen, "we shall overcome", sich untergehakt haben, "we walk hand in Hand", "wie sie die Angst gespürt, aber sich nicht mehr von ihr haben lähmen und aufhalten lassen 'we are not afraid!' (...)
Gott ist keine Burg, sondern ein Begleiter in unserer Bedrängnis, er nimmt unserer Furcht das Lähmende, er nimmt ihr die Macht über uns."
"Unsere Herzen sind bange - aber wir überlassen unsere Sorgen und Ängste nicht den Angst-und Hasspredigern, nicht den Spaltern und Verächtern der Demokratie. Wir lassen nicht zu, dass Menschen und Gruppen mit ganz unterschiedlichen Sorgen gegeneinander ausgespielt werden - nicht hier in unserem Land, in unserer Stadt und in unserer Nachbarschaft - und erst Recht nicht gegen die Menschen in der Ukraine, die zuerst und am dringendsten unsere Solidarität brauchen. (...)
"Vielleicht haben wir auch als Christinnen und Christen die Zeichen der Zeit zu lange übersehen,weil wir den Krieg in Europa für so undenkbar und unvorstellbar hielten, dass wir ihm am Ende nichts mehr entgegenzusetzen hatten. Auch deshalb bleibt uns jetzt nur, das Opfer beharrlich gegenüber dem Aggressor zu unterstützen. (...) Aber wenn es in der Vergangenheit ein Fehler war, den Krieg zu lange für undenkbar zu halten, dann lasst uns bitte heute nicht den umgekehrten Fehler machen: lassen wir nicht zu dass nun Frieden für Jahre und Jahrzehnte so undenkbar und unvorstellbar wird, dass wir uns nur noch Inder Logik tödlicher Konfrontation einrichten können."
"Wenn wir Hand in Hand in die vor uns liegende Zeit gehen, wenn wir einander vor Bitterkeit und Verhärtung bewahren, wenn wir der Heiterkeit Raum geben und auch unserem bangen Herzen immer wieder Seelenbrot geben - dann können wir dem vor uns liegendem Winter getrost entgegen gehen und mal zaghafte und mal hoffnungsvoller singen und sagen: we are not afraid! "Darum fürchten wir uns nicht!"
Gesungen wurde im Gottesdienst natürlich auch, unterstützt von einem Chor mit Sänger*innen aus beiden Kirchenbezirken
Neben "Seelenbrot" im Gottesdienst gab es beim anschließenden Empfang natürlich auch leibliche Stärkung...






