Angeklopft

Wenn das Leben bei dir anklopft,
dann weißt du nicht, ob du öffnen willst.
Was erwartet dich?
Was erwartest du?

Das Leben kann so unterschiedlich aussehen.
Es trägt ein Festkleid, ist aufgeregt, und lädt dich zum Feiern ein.
Es trägt Jogginghose, bringt Zeit mit, und ihr könnt gemütlich vor dem Fernseher sitzen.
Es trägt ein Klinikhemd – und dann tritt es ein ohne anzuklopfen.
 
Wenn das Leben bei dir anklopft und dann doch eintritt, ohne dein Herein abzuwarten, dann verändert sich Vieles.
Wenig von dem, was du wusstest, kannst du nun brauchen.
Du beginnst wieder zu lernen.
Wirst Expert*in in deinem Kranksein.
Du lernst Worte, die dir vorher fremd waren.
Du lernst dich neu kennen. Denn du bist dir fremd in deinem Klinikhemd.
 
Vielleicht klopfst du bei Gott an.
Um nachzufragen, was das alles bedeuten soll.
Denn du kannst nun zwar viele neue Wörter und weißt, wie sich ein Klinikhemd trägt, aber verstehen kannst du es nicht.
Wenn dir nicht gleich aufgemacht wird, dann zuckst du mit den Schultern.
Vielleicht hattest du es fast erwartet.
 
In der Stille des Klinikzimmers,
in der Unruhe des Klinikzimmers,
da klopft es zart.
Kaum zu hören. Selbst in der Stille nicht.
Es klopft an dein Herz. Es pocht in deinem Herz.
Gott klopft an. Er ist ja längst bei dir.
Gott nennt sich Hoffnung.
Und es klopft stur.
Gott nennt sich Liebe.
Und unwillkürlich atmest du auf.
 
Mit Gott klopft dein Leben an.
Und fühlt sich im Fremden doch vertraut an.
Du bist da. Gott ist da.
Gott sieht dich an. Wie immer. Du bist ihm nicht fremd.
Über seinem Arm hängen das Festkleid und die Jogginghose. Und noch weitere Stoffe, die du nicht erkennst. Und alte, die du eigentlich schon in die Kleidersammlung gegeben hattest. Mit Sehnsucht siehst du hin.
Und siehst dann auf dein Klinikhemd.
Und spürst die Hoffnung in dir pochen. Und die Liebe.
Das Leben eben.