Erbschaft zugunsten Evangelischer Kitas in Pforzheim

- 21.02.2023 - 

Urs Keller (Vorstandsvorsitzender der Diakonie Baden) konnte am Montag im Pressegespräch mit Geschäftsführerin der Diakonie Pforzheim Sabine Jost und Dekanin Christiane Quincke gute Nachrichten verkünden:

"Wir haben eine Erbschaft von einer Frau erhalten, die aus Pforzheim stammt. Wir sind Treuhänder für die Erbschaft, die für den Einsatz in evangelischen Kitas in Pforzheim vorgesehen ist. In Gesprächen mit Frau Jost waren wir uns schnell einig, dass die Erbschaft nicht „in Steine“, sondern in die inhaltliche Arbeit der Kitas fließen soll. Die Gelder in Höhe von 1,182 Mio.  Euro werden in 10 Tranchen jeweils zu Beginn eines Kalenderjahres ausgezahlt."
 
Sabine Jost, Geschäftsführerin der Diakonie Pforzheim erklärte, wofür die Gelder verwendet werden, damit sie möglichst vielen der 1200 Kinder und Familien zugute kommen, die in unseren Kitas erreicht werden:
·        Fort und Weiterbildung der Fachkräfte: 
Kitas sind keine einfachen „Betreuungseinrichtungen“. Die Mitarbeitenden begleiten Kinder auf dem Weg ins Leben, ermöglichen frühkindliche Bildung. Auch gut ausgebildete Fachkräfte brauchen regelmäßige Fort- und Weiterbildung. Neue Erkenntnisse, neue Arbeitsbereiche, veränderte Konzepte: Wir müssen unseren Fachkräften ermöglichen ihre vorhandenen Kompetenzen weiterzuentwickeln und zu vertiefen. Auch Supervision in den Teams und Coaching von Einrichtungsleitungen sind zentrale Bestandteile von Professionalisierung. 
Wir wollen mit Hilfe der Erbschaft passgenaue Fort- und Weiterbildung für unsere Kitas ermöglichen und kostenneutral finanzieren. Für das nächste Jahr ist ein Fachtag für alle 350 Fachkräfte unserer Kitas geplant, mit dem Schwerpunkt Kultur und Bildung, angedacht ist hier z.B. auch eine Kooperation mit dem Theater Pforzheim oder dem Kulturhaus Osterfeld
Bisher steht beispielsweise bei einer 5gruppigen Kita ein jährlicher Etat von 127€ pro Personalstelle für Fortbildungen zur Verfügung, das ist bei den meisten angebotenen Fortbildungen zusammen mit Fahrt und Übernachtungskosten nicht ausreichend.
 
·        Digitalisierung
bis vor wenigen Jahren war es nicht ungewöhnlich, wenn es in der Kita nur 1-2 Computer gab, damit sind die heutigen digitalen Anforderungen nicht zu schaffen. Dokumentationen im Rahmen des Bildungsplans, Vorbereitung von Angeboten, Internetrecherche, Vermittlung von Medienkompetenz, Kommunikation mit Eltern, Online-Tools in der Verwaltung, Datensicherheit gewährleisten, Software für die verschiedensten Aufgaben, uvm.
Digitale Ausstattung ist notwendig, kein „Nice-to-have“. Am Beispiel der 5gruppigen Kita zeigt sich wieder: mit ca. 7300€ Ausstattungsbudget für die gesamte Ausstattung der Kita ist das kaum möglich. Mit Hilfe der Erbschaft soll die notwendige Hardware und die Einführung der KitaInfoApp finanziert werden.   
 
·        Ausbau familienergänzender Angebote für Eltern und Familien
Wir nutzen bereits die Fördergelder des Landes Baden-Württemberg und beantragen die Förderung durch die Evang. Landeskirche in Baden, um die Kitas zu Kinder- und Familienzentren im Stadtteil weiterzuentwickeln. Integration im Stadtteil, Beratungs- und Bildungsangebote, Vernetzung mit Beratungsstellen können die Erziehungsfähigkeit von Eltern stärken und die Gemeinschaft und Solidarität zwischen den Familien im Stadtteil fördern. Mit den zusätzlichen Finanzmitteln können diese Angebote ausgebaut, bzw. sichergestellt werden, und z.B. weitere Feste, Ausflüge, Elternabende in Kooperation mit Experten aus Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und deren Familien angeboten werden. 
 
·        Zusatzangebote in den Kitas 
Erzieher*innen sind pädagogische Fachkräfte, besonders ausgebildet im Bereich frühkindliche Bildung. I.d.R. sind sie keine Heil- und Sonderpädagogen, keine Logopäden o.ä. 
Diese Kompetenzen werden im Kitaalltag jedoch immer wichtiger, um den komplexen Herausforderungen zu begegnen und Kinder besser unterstützen zu können. 
Die höheren Personalkosten für die Einstellung von Heil- und Sonderpädagogen würden der Stadt nicht finanziert werden, wir können Mitarbeitende mit anderen Professionen jedoch einstellen, wenn wir den Differenzbetrag selbst finanzieren. 
Ebenfalls möglich wäre z.B. auch die Weiterfinanzierung des Projektes „Singen im Kindergarten“: eine Musikpädagogin des Kantorats – bisher über Spendengelder und der Stiftung kirchliche Arbeit finanziert – bildet die Erzieher*innen zu Multiplikatoren für das tägliche Singen mit den Kindern aus. Auch ein Kinderchor ist aus der Arbeit der letzten Jahre hervorgegangen.
Dekanin Christiane Quincke ist dankbar für die Erbschaft, "weil solche Erbschaften und auch Spenden uns ermöglichen weiterhin in wichtige Arbeitsbereiche zu investieren. Diese Erbschaft ermöglicht uns qualitativ gute Arbeit in unseren Kitas für die kommenden Jahre sicherzustellen. Da wir bei der Finanzierung durch die Stadt Pforzheim weniger Mittel bekommen als andere Träger, sind zusätzliche Gelder, wie hier durch die Erbschaft, notwendig, um die dort geleistete Arbeit zukunftsfähig aufzustellen. Der Fachkräftemangel wird uns in den nächsten Jahren noch stark beschäftigen, die Kita ist für Familien ein Ort, an dem sie Beratung und Hilfe rund um das Thema Erziehung bekommen und das alles wird in Zukunft noch viel stärker auch digital unterstützt werden, deshalb sind dies die Bereiche, die wir besonders fördern wollen. "