Verabschiedung Julian Albrecht

- 20.07.2025 - 

Mit einem großen Gemeindefest vor der Würmtalhalle wurde Julian Albrecht als Pfarrer der Pfarrgemeinde Mühlhausen verabschiedet. Gleichzeitig war es ein Abschied von der Organisationsform der Pfarrgemeinde, vor dem Start der neuen Struktur im Herbst:

In seiner Predigt erinnerte sich Julian Albrecht an seine "Inkognito-Erkundungstour" durch die Gemeinde vor 15 Jahren, als er gemeinsam mit seiner Frau an einem Nachmittag 60 km weit fuhr "weil wir die vielen Schleichwege durch das Biet noch nicht kannten." Er blickte dankbar zurück auf die Zeit damals, als "Veränderung in der Luft lag". Er habe gemeinsam mit seiner Familie eine neue Heimat gefunden. "Diese Heimat und unsere Gemeindefamilie lassen wir nur ungern zurück." Aber ohne Veränderung und Loslassen sei kein Leben möglich. Er erinnerte die Gemeinde daran, wie Jesus durch das Land zog und dabei die Menschen gesehen hat, ihnen die Botschaft vom Reich Gottes und Heilung gebracht hat, und den Auftrag an uns alle dies ebenfalls zu tun. Dabei komme es auch auf die Haltung an, darauf wirklich die Menschen zu sehen: Vereinsfeste, nur um die Kasse zu füllen, "da fehlen Herz und Hingabe". Uns allen sagt Jesus für unseren weiteren Dienst "Das Himmelreich ist nahe herbeigekommen. Macht Kranke gesund, weckt Tote auf, macht Aussätzige rein, treibt Dämonen aus. Umsonst habt ihr’s empfangen, umsonst gebt es auch." Matthäus 10, 7b-8
Dekanin Christiane Quincke sprach in ihrer Verabschiedung vom Ruf Gottes und von der Verbundenheit der Christen, durch die Verbindung mit Jesus Christus:
(...) Dieser Ruf geschieht ja durchaus in Menschenwort - also z.B. wenn der Nachbardekan dir eine Stelle anbietet - aber dann hörst du noch genauer hin. Gehst ins Gebet. Durchdenkst es intensiv. Zumindest so habe ich dich kennengelernt. Und dann ist es auch einfach dran. Dieses intensive Durchdenken und Nachdenken - das gehört zu dir und prägt deinen Dienst. Nicht weil du zögerlich wärest oder Angst hättest oder so, sondern weil du deine Dinge einfach gut überlegt angehen willst. 
 
Nachhaltigkeit ist dir wichtig, die Wirkung ist dir wichtig - nicht für den Effekt, sondern auf Dauer. Dass du Dinge nicht alleine machst, ist dir wichtig, und darum durchdenkst du Ideen nicht alleine, sondern mit anderen, z.B. mit deinem Ältestenkreis. Oder auch mit Kollegen und Kolleginnen im Kirchenbezirk. Als wir z.B. das erste Mal ein gemeinsames Tauffest planten, hast du - um der Nachhaltigkeit willen - eingebracht, dass wir Taufseminare dazu anbieten. Und gemeinsam haben wir dann überlegt, wie wir das durchführen.
Dir ist es wichtig, dass eine Beziehung entsteht: zwischen dir und den Menschen, die dir anvertraut sind, und noch viel wichtiger: zwischen den Menschen und Jesus.  Und dass die Menschen davon erzählen können, selber Worte finden, die ihre Beziehung beschreiben. (...)
Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun. (...) Die Verbindung mit Jesus ist es, die viel Frucht bringt. Und durch Jesus sind wir auch miteinander verbunden. Hier in der Gemeinde. Im Biet. Im Kirchenbezirk. In der Ökumene. Weltweit. Die Kraft aus Jesus beziehen, nicht aus sich selbst. Und auch wenn eine Rebe, eine Traube mal nicht so viel tragen kann oder zu viel tragen muss: wir bleiben verbunden.
Auf diese Weise ist vieles in dieser Gemeinde und im Kirchenbezirk entstanden und geblieben - ich bin sicher, wir werden nachher noch davon hören. Und auf diese Weise kann es auch wieder losgelassen werden - dann auch das gehört ja dazu, wenn man sich von Gott rufen lässt. Das Loslassen. Nun lässt du die Gemeinde los und die Gemeinde lässt euch los. Das Loslassen fällt nicht leicht - weder euch noch der Gemeinde. Der Abschied tut weh, auch wenn er noch so gut vorbereitet ist. Aber das Wissen, dass ihr am Weinstock Jesu bleibt, auch wenn sich alles andere verändert - das wird euch helfen und es hilft ja jetzt schon. 
Ihr habt viel Frucht gebracht: du, Julian, ihr, als Familie - und ihr habt viel Frucht gebracht als Gemeinde. Manche Früchte waren süßer als andere, manche kerniger. Aber es waren die Früchte Jesu. Und ihr werdet weiterhin in Mühlhausen viel Frucht bringen, weil ihr eure Kraft aus Jesu Geist bezieht. Das ist die Zusage von Jesus. Sein Versprechen. Und ich vertraue darauf - gerade in den nächsten Jahren, die vieles auf den Kopf stellen werden. Wir bleiben mit ihm verbunden und werden auch weiterhin viel Frucht bringen - süß und kernig, hell und dunkel, in Freud und Leid.  Gott ruft uns - und wir kommen, wir gehen weiter - und wir bleiben in seiner Liebe. Amen.
Musikalisch erklang die Vielfalt der Gemeinde Mühlhausen: Wolfgang Bürck am Klavier, Joyful, Singkreis und Band.
Nach dem Gottesdienst brauchten die Vertreter der politischen Gemeinden Tiefenbronn und Neuhausen, die Rektorin der Verbandschule im Biet, Vertreter der Nachbargemeinde und der Ältestenkreis viele kreative Geschenke mit: Puzzle des Wasserschloss, ein gesungenes Grußwort, einen Cornwall-Kalender, Hoodie, Künstler-Bilder,...
In ihren Grußworten erinnerten alle an das, was sie mit Julian Albrecht in den vergangenen Jahren erlebt haben: das Jubiläumsjahr 200 Jahre Pfarrgemeinde Mühlhausen, ökumenische Gottesdienste, Notfallseelsorge, Religionsunterricht, Vorträge, Krippenspiele, Alpha-Kurse, Lobpreisabende, Tauffeste im Garten des Wasserschlosses, die neue Glocke im Wasserschloss, Dokumentation der Geschichte, die online-Übertragungen der Gottesdienste und viel mehr. Sie erinnerten aber auch daran, was für sie an den Begegnungen mit Julian Albrecht besonders war: klar in der Haltung, offen im Gespräch, verlässlich im Handeln, immer an der Seite der Menschen, verlässlicher Begleiter, menschliche Wärme.
Viel Dank und viele gute Wünsche für Julian Albrecht und seine Familie - zum Glück konnten sich alle zwischendurch schon stärken. Beim Gemeindefest zeigte sich auch, die große Verbundenheit im Biet: viele Vereine waren dabei, um beim Fest für "ihren Pfarrer" etwas beizutragen.
Zum Abschluss dankte Julian Albrecht der Gemeinde, er blickte dankbar zurück auf die "schöne Zeit, die wir miteinander erleben durften" und dankte für "Geduld und Nachsicht. Für viele Menschen hätte ich mehr Zeit und Energie haben sollen". Er dankte aber auch seiner Frau Inka "ohne dich hätte ich das nicht gewuppt. Inka war mein Korrektiv, jemand, der mit seiner Meinung nicht hinterm Berg gehalten hat."
Julian Albrecht hatte auch noch ein Abschiedsgeschenk für seine Gemeinde: "wenn ich darf, komme ich 1x/Jahr zu einem Vortrag zu Henhöfer oder einer anderen Person der Kirchengeschichte".
Dieses Geschenk nahm Thomas Arlitt im Namen der Gemeinde gerne an.