Glaube und Religion in Indien, die indische Wirtschaft und der deutsche Blick auf Indien, waren Themen des PZ-Redaktionsgespräch, zu dem Albert Esslinger-Kiefer am vergangenen Freitag geladen hatte. In entspannter Atmosphäre sprachen der PZ-Verleger und PZ-Chefreporter Marek Klimanski mit Dekanin Christiane Quincke, Bischof Timothy Ravinder, Bischof der Diözese Coimbatore der Church of South India und seiner Frau Anny Ravinder, zuständig für die Frauenarbeit der ganzen Diözese.
Sowohl Dekanin Quincke, als auch Bischof Ravinder betonten die guten und freundschaftlichen Beziehungen der Indien-Partnerschaft, die nach dem Amtsantritt der beiden Würdenträger wieder vertieft wurden. Der in Indien geborene ehemalige Dekan Hans-Martin Schäfer hat vor rund 35 Jahren den „Freundeskreis Südindien“ ins Leben gerufen. "Wir empfangen von unseren Deutschen Freunden immer sehr viel Herzlichkeit und Wärme und eine große Unterstützung", betonte Ravinder, der selbst 5 Jahre im badischen Rheinfelden Pfarrer war und gut Deutsch spricht.
Christiane Quincke erwähnte, dass die Evangelische Kirche Pforzheim schon viele Jahre Schulen und Kindergärten der Diözese finanziell und personell unterstütze. Sie betonte, dass das Frauenhaus "Keremehas" für geistig behinderte Frauen unter der Leitung von Anny Ravinder nicht auf Spenden angewiesen sei und die Arbeit von Anny Ravinder Vorbild für viele Maßnahmen der derzeitigen indischen Regierung sei. So werde nun beispielsweise eine Rente gezahlt, die Kinderarbeit bekämpft, betonte Bischof Ravinder: "Die Regierung möchte, dass der wirtschaftliche Aufschwung bei den Menschen ankommt." Die Angebote und Projekte der Diözese würden aber trotzdem mit Argwohn betrachtet, da sie kein Kastenwesen unterstützen. Bischof Ravinder erläuterte, dass die Regierung glaube, dass Minderheiten, die nicht Hindus seien, nicht loyal gegenüber der Regierung seien. Trotzdem seien die Bildungsangebote für alle Kinder, Jugendliche und Frauen, betonte Anny Ravinder.
Das Misstrauen der Regierung erschwert auch die kirchliche Arbeit in Südindien: Obwohl die Church of South India aus 26 Diözesen (darunter je eine in den USA und Sri Lanka) bestehe, werde es den Gläubigen schwer gemacht: Die Diözese Coimbatore, der Bischof Ravinder vorsteht, ist mit 15 Mio. Gemeindemitgliedern und 5.000 Pfarrern in 5 Städten die größte in Süd-Indien. Aber auch ihr ist es nicht erlaubt, Kirchen zu bauen: "Eine "Community hall" ja, eine "Prayer hall" nicht", erklärte Bischof Ravinder.
Die schwierigen Bedingungen hatten auch Christiane Quincke und ihre Kolleg*innen im Januar 2023 am eigenen Leib erfahren, als sie kein Visum für ihre Reise in die Partner-Diözese erhielten. "Vor 9 Jahren habe ich in Süd-Indien gepredigt, heute dürfte ich nicht einmal meinen Talar mitnehmen", stellte Dekanin Quincke klar. Doch ein Verzagen kommt sowohl für Dekanin Quincke, als auch Bischof Ravinder nicht in Frage: "Wir planen wieder einen Besuch in Indien", betonte Christiane Quincke. Und Bischof Ravinder bekräftigte: "Wir werden Sie dabei unterstützen. Die Deutschen haben ein gutes Herz."