Ein bemerkenswerter Konzertabend im Orgelsommer

- 29.08.2025 - 

Die künstlerischen Leiter des diesjährigen Pforzheimer Orgelsommers, Diethard Stephan Haupt und Mathias Kohlmann, hatten zum zweiten Konzert keinen Geringeren als den renommierten Organisten und Musikprofessor Pascal Reber in die Goldstadt eingeladen. 

Der in Straßburg wirkende Reber stellte am Sonntagabend ein außerordentlich anspruchsvolles Programm in der Schlosskirche vor, das rund 500 Jahre französische Orgelmusik widerspiegelte.
Der Bogen wurde hier vom Spätbarock über das 19-te Jahrhundert bis in die Neuzeit gespannt. Gleich zu Beginn präsentierte der Organist dem zahlreich erschienenen Publikum eine vom Barockkomponisten Jean-Philippe Rameau für Orgel bearbeitete Ouvertüre seiner Oper „Les Indes Galantes“. Rameau war in seiner Zeit ein bedeutender französischer Komponist und Organist, dabei hörbar beeinflusst vom Werk seines Zeitgenossen Johann-Sebastian Bach. Pascal Reber gab dem Werk in seiner Interpretation den nötigen festlichen Klang. Die gegeneinander laufenden Melodien hatten nichts opernhaftes und Reber konnte sich hier in barocker Klangschönheit ausspielen.
Gänsehautmomente bereiteten die beiden Sätze „Minuetto“ und „Toccata“ des 1844 in Nancy geborenen Eugène Gigout. Aus den „Ten Pieces for Organ“ stach die Toccata hervor, die mit wellenartiger Melodie in einem einzigen riesigen Crescendo in einem fulminanten Fortissimo mündete. Nicht umsonst gehört diese Toccata zu den meistgespielten und beliebtesten Konzertstücken der französisch - romantischen Orgelliteratur.
Leise-atonal klingend erzeugte Pascal Reber mit drei Teilen des Orgelwerks „„Pièces de fantaisie“ von Louis Vierne eine nahezu gruselige Stimmung in der Kirche. Unweigerlich musste man bei den ersten beiden Teilen an die Stummfilme von Fritz Lang denken, die etwa zur gleichen Zeit wie die Komposition Viernes in Babelsberg entstanden. Die Schlosskirche zum Beben brachte der Organist dann mit dem dritten Teil „Carillon de Westminster“. Die bekannte Glocken-Melodie von Big Ben wurde immer wieder improvisiert und weiterentwickelt. Zu Beginn mit dem Pedalwerk dumpf angedeutet, übernahmen die Manuale das Leitmotiv. Reber steigerte die Musik in eine nahezu unerträglich-dramatische Lautstärke, die mit einem langen Schlussakkord verklang.
Pascal Reber ist aber nicht nur Organist, sondern auch Komponist und so stellte er seine Eigenkomposition „Tripychon“ vor. In drei Sätzen bearbeitete er das bekannte Kirchenlied „Lobe den Herrn“ von 1680. Über die freie Einleitung im „Präludium“ und dem zweistimmigen Dialog des „Impromptus“ endete das Werk im kontrapunktischen Stil als Fugato. 
Künstlerischer Höhepunkt des Orgelkonzerts war die freie Improvisation Rebers am Ende des Abends: Er griff hier spontan die Melodien von „Der Mond ist aufgegangen“ von Johann Abraham Peter Schulz und nochmals „Lobe den Herrn“ auf. Rebers Ideenreichtum war bei dieser Improvisation völlig überraschend. Er ließ sogar Tango-Elemente im Stil von Astor Piazzolla mitschwingen. Bach und Widor waren ebenfalls zu hören.
Mit herzlichem, anerkennendem Applaus endete ein bemerkenswerter Konzertabend im Orgelsommer.
 
Text und Bild: Steffen Reinhold