Orgelsommer Altstadtkirche

- 03.09.2025 - 

Das dritte Konzert im diesjährigen Orgelsommer bot am Sonntagabend eine andere Bandbreite an Orgelmusik an als in den letzten beiden Konzerten. Der junge und hoch prämierte Organist Vincent Knüppe lud das Publikum der Pforzheimer Altstadtkirche gemeinsam mit Posaunist Anselm Schmieg zu einer musikalischen Reise vom 16-ten bis ins 20-ste Jahrhundert ein. 

Schwerpunkt des etwa einstündigen Konzerts waren mehrere Barockkompositionen von Johann-Sebastian Bach. Interessant war die Programmzusammenstellung: So wurden von Knüppe die drei Sätze der Bach’schen Toccata C-Dur (BWV 564) nicht am Stück gespielt, sondern von zwei anderen Musikstücken unterbrochen. Hierfür hatten die Musiker die Canzona „La Hieronyma“ des Italieners Giovanni Martino Cesare gewählt, aber auch den Choral „Jesus bleibet meine Freude“ aus dem Œuvre von Bach. Auf der eher kleinen Orgel in der Kirche St. Martin klang die Barockmusik zusammen mit dem warmen Klang von Anselm Schmiegs Posaune nahezu intim. Es hatte nichts von lauter, barocker Prachtentfaltung, sondern eher den heimeligen Klang einer Dorfkirche, was der Qualität aber keinen Abbruch tat.
Spannend war die Entdeckung des „Intermezzo op. 53 As – Dur“ von Ernst Schiffmann, komponiert in der ersten Hälfte des 20-sten Jahrhunderts. Organist Vincent Knüppe und Posaunist Schmieg verstanden es meisterlich, das ungewöhnliche Werk umzusetzen. Beginnend mit sanften Klängen wie von einer Glasharmonika stimmte die Posaune mit in die Melodie ein und es entstand eine musikalische Zwiesprache zwischen den beiden Instrumenten. Hierbei war klanglich die Orgel der weibliche, die Posaune hörbar der männliche Part. Der Schluss des Werkes dann im Einklang der beiden.
 Felix Mendelssohn-Bartholdys Orgelsonate Opus 65 von 1844 bezauberte das Publikum mit einer nahezu orientalischen Melodik, die sich gegen Ende dramatisch steigerte und hymnisch-majestätisch endete. 
Als einer der bedeutendsten Meister der abendländischen Musikgeschichte durfte an einem solchen Konzertabend Georg Friedrich Händel nicht fehlen. Sein Concerto in f - moll für Oboe, Streicher und Basso continuo wurde hier in einer Bearbeitung für Orgel und Posaune vorgestellt. Die Klangpracht Händels konnte von den beiden jungen Musikern meisterlich umgesetzt werden. Der Part der Posaune mit seinen schnellen Läufen war sehr anspruchsvoll. Anselm Schmieg ließ keine Wünsche offen.
Nach rauschendem Applaus verabschiedeten sich die beiden Musiker mit dem festlichen vierten Satz aus Händels „Feuerwerksmusik“ beim Publikum.
 
Text/Bild: Steffen Reinhold