„Friedensarbeit beginnt nicht erst mitten im Konflikt“
Prof. Dr. Stephen Lakkis: Friedensbeauftragter der Evangelischen Landeskirche in Baden (EKiBa)
Pforzheim/Karlsruhe. Prof. Dr. Stephen Lakkis, Pfarrer an der Christuskirche, ist seit September Friedensbeauftragter der Evangelischen Landeskirche in Baden (EKiBa). Er tritt damit die Nachfolge von Diakon Stefan Maaß an.

Pfarrer Lakkis bekleidet eine 50 %-Stelle im Evangelischen Oberkirchenrat in Karlsruhe als zentraler Ansprechpartner der EKiBa für Friedensthematiken. Mit den anderen 50 % wird er seine Funktion als Pfarrer im Team „begegnung schaffen“ in der neuen Struktur der Evangelischen Kirche in Pforzheim ausfüllen: „Der christliche Glaube ist nicht nur etwas Theoretisches, er geht um Solidarität, um Nächstenliebe, darum wie wir ganz konkret miteinander leben. Zusammenhalt, Solidarität und das gemeinsame Leben bilden den Kern unserer Arbeit im Team “begegnung schaffen”. Daher wollte ich unbedingt einen Fuß in unserer Kirche behalten. Natürlich wollten meine Frau und ich diese wunderbar internationale Stadt Pforzheim und unsere vielen guten Freunde hier auch nicht verlassen.“
Daher pendelt Pfarrer Lakkis zukünftig zwischen Pforzheim und Karlsruhe – und Stationen auf der ganzen Welt. In seiner Funktion als Friedensbeauftragter wird er Krisenregionen bereisen, sich mit anderen Akteuren zu Friedensthemen inner- und außerhalb der Kirche vernetzen und Publikationen veröffentlichen, sowie Stellungnahmen für die EKIBA zu aktuellen friedenspolitischen Themen formulieren. Der 52-Jährige wird den friedensethischen Prozess der Landeskirche (unter dem Motto “Kirche des gerechten Friedens werden”) führen und die Kirchenleitung in friedensethischen und -politischen Fragestellungen beraten: „Die Friedensarbeit beginnt nicht erst mitten im Konflikt, sondern viel früher, indem wir den Ursachen von Konflikten gemeinsam entgegenwirken. Sie beginnt mit unserer gemeinsamen Suche nach Gerechtigkeit, Nachhaltigkeit und Demokratie – auf internationaler Ebene und auch hier in Pforzheim. Ich freue mich darauf, mit den vielen tollen Menschen und Gruppen hier vor Ort zusammen zu arbeiten, die sich bereits für Gerechtigkeit engagieren – denn Frieden schafft man nicht allein, nur gemeinsam“, führt der Professor für Systematische und Öffentliche Theologie aus.
Dass der gebürtig aus dem Libanon stammende Australier diese Position nun einnimmt, ist kein Zufall. Das Thema Frieden beschäftigt Pfarrer Lakkis schon sein ganzes Leben: so musste er selbst als Kind mit seiner Familie aus dem Libanon vor dem Bürgerkrieg fliehen. Während des Studiums, in seiner 13-jährigen Tätigkeit als Professor für Systematische und Öffentliche Theologie, in seiner 10-jährigen Arbeit als Direktor des nationalen Taiwan Forschungszentrums für Öffentliche Theologie, in seiner Zeit bei der Taiwan Foundation for Democracy (einem Think Tank der taiwanesischen Regierung) und als Gemeindepfarrer in Taiwan und Baden hat er stets aktive Friedensarbeit geleistet. Konkret führte dieses Engagement unter anderem zu Gesetzes- und Verfassungsänderungen in Taiwan. „Friedensförderung braucht konkrete Arbeit an den politischen Strukturen sowie der Basis unserer Kirche und Gesellschaften, durch Bildungsangebote, aber auch durch kreative Aktionen. Ohne Vernetzung und breite Solidarität kann diese Arbeit nicht gelingen“, zeigt sich Pfarrer Lakkis überzeugt. Und weiter: „Um einen tragfähigen Frieden zu schaffen, müssen auch wirtschaftliche, soziale, politische, ökologische und religiöse Aspekte (und vor allem Ungerechtigkeiten) berücksichtigt und bearbeitet werden.“
Für Dekanin Christiane Quincke kommt die Ernennung von Stephen Lakkis nicht unerwartet. Sie schätzt, dass er seine aktive Friedensarbeit auch weiterhin in das Team „begegnung schaffen“ einbringen wird: „Menschen zusammenzubringen und den Frieden in der Stadtgesellschaft zu stärken – das ist genau die richtige Aufgabe für Stephen Lakkis“.